Jamaika 1991

 

Wie kam ich nach Jamaika?? - -
Ganz einfach - ich besuchte entfernte Verwandte. Mein Onkel heiratete zwischen zwei Urlauben ein Jamaikanerin. Meine Tante, Monika, lebt nun schon seit über 17 Jahren in Deutschland und ist nun auch Deutsche! Im Jahre 1991 besuchte Sie ihre Familie, sprich Mutter, Stiefvater, Bruder, Schwester, sowie Nichten und Neffen - und ich durfte mitfahren!

 


Zentrum von Montego Bay

 

 

 

 

Die beste Jahreszeit ist im April und Mai, sowie im Oktober und November, denn dann ist das Klima noch erträglich und die Luftfeuchtigkeit nicht gerade so hoch.
Die Familie wohnt in einem kleinen Vorort von Montego Bay - Norwich. Am ersten Tag wollte ich mit dem Taxi in die Stadt fahren. Meine Tante Monika (ich lass ab sofort Tante weg, da sie nur 8 Jahre älter ist) und ich warteten am Straßenrand, als ich plötzlich weisse Flecken vor den Augen sah. Es wurde immer schlimmer, bis ich schliesslich gar nichts mehr sah. Der Kreislauf spielte verrückt - und so blieb ich 2 Tage im Haus, um mich zu akklimatisieren. Miss Icy - die Hausherrin - kochte mir Fischsuppe und gab mir grosse Bananen, damit ich wieder zu Kräften kam. Übrigens Miss Icy wurde sie genannt, seitdem die Familie im Umkreis von ca. 1 Meile den einzigsten Eisschrank hatte, ihn mit Wasser gefüllten Plastikbeutel voll machte und das gefrorene Eis für einen Jamaika-Dollar an die Anwohner und Nachbarn verkaufte.



 

 


Nichte und Neffe meiner Tante

Die zwei Kinder der Schwester von Monika lebten mit uns im Haus der Mutter. Crystal war drei und Richie war sieben Jahre alt. Crystal weckte mich jeden Morgen, indem sie am Bettrand stand und irgendwelche Lieder vor sich her summte. Richie war eher ruhig, und ich musste ihn öfters zum Spielen und Rumalbern auffordern.

 

 

Mit dem Bruder von Monika, Robey, unternahm ich sehr viel. Es war nicht immer der grosse Ausflug, sondern Besuche bei Freunden und Bekannten, sowie der tägliche Einkauf standen auf dem Programm. Die ersten paar Tage sah ich fast überhaupt keine Weißen. Der ärmliche Vorort Norwich - wollgemerkt keine Slums - war von Angestellten und Arbeitern (natürlich auch die arbeitenden Frauen) bewohnt. Es lebten nur Farbige in dem Ort. Im Zentrum von Montego Bay, und zwar dort wo die Einheimischen einkauften und sich ihre Zeit vertrieben, sah man auch kaum Weiße. Die traf man hauptsächlich an der sogenannten Touristenmeile, mit vielen Hotels und Geschäften, sowie Restaurants an der Ostseite der Bucht. Robey und ich gingen in kleinen Supermärkten kaufen, wie z.B. Woolworth etc., in dem z.B. T-Shirts und Kleinartikel bis zu 200 Prozent billiger waren, als auf der Touri-Meile.
Wir speisten oft in der Stadt in kleinen Restaurants, in denen auch die Jamaikaner verkehrten, und das zu einem Preis von ca. 7 DM pro Mahlzeit, inklusive Suppe oder Nachspeise.
In Montego Bay selbst gibt es zwei öffentliche Strände, die man gegen eine geringe Gebühr nutzen kann. Die Hotelstrände sind nur für deren Gäste gedacht und werden streng kontrolliert.

 


Das Treiben in der Stadt

 

 

 

 


Monika´s Elternhaus

 

 

 

 

 

 


 

 

Freitagabend beginnt das Treiben auf den Strassen im Zentrum von Montego Bay. Wenig Touristen (die sind ja in den Anlagen und trauen sich selten raus), aber dafür viele Einheimische, die ihren Wochenlohn schon heute auf den Kopf hauen. An jeder kleinen Kneipe werden Riesenboxen aufgebaut, aus denen die ganze Nacht hämmernde und wabernden Rap- und Raggae-Songs dröhen. Kleine Paletten mit Rädern werden von "Geschäftsleuten" gezogen, auf denen sie Getränke oder heiße Suppen und gebratenes Schweinefleisch anpreisen. Robey und ich nahmen einen Plastikbecher Suppe. Es schmeckte wirklich lecker. Am nächsten Morgen erzählte mir Monika, das in der Suppe Fleischreste vom Metzger, z.B. die Scheide einer Kuh, verwertet werden - na, was soll?!!

 

Ein Freund von Robey, Billy, ist Bootsbauer und stellte gerade ein "Glas-Bottom-Boat" fertig. In der Mitte waren zwei große Fenster, von denen man aus ins Meer schauen konnte. Das Boot war überdacht und wurde von einem Aussenbordmotor angetrieben.
An einem heiß-schwülen Tag überführten wir das Boot mit den neuen Eigentümern nach Negril, an der Westküste Jamaikas. Negril ist  d e r  Badeort, mit dem längsten Strand Jamaikas, ca. 7 km. Er windet sich sichelförmig an der Küste lang und ist die Lebensader der Hotels hier in der Gegend. Die Strände sind herrlich und - bis auf ein paar Ausnahmen - frei zugänglich. Eine kleine Insel ist vorgelagert und bietet hier die Möglichkeit zum Yachtcharter für einen Tag.
Das Geschäft über den Kauf des Bootes wurde abgewickelt. In der Zwischenzeit wartete ich am Strand und bekam innerhalb von 30 Minuten fünfmal Marihuana und sonstige leichte Drogen angeboten. Dies ist in Jamaika zwar verboten, wird aber hier im Tourizentrum, wo viele Amerikaner residieren, geduldet. 
Den Rückweg traten wir mit einem Kleinbus, Marke Suzuki an. Diese Busse verkehren laufend zwischen den grösseren Orten. Die Leute fahren hiermit zur Arbeit und/oder zum Einkaufen. Für ein paar Jamaika-Dollar
(14 Jam$ = 1 US$ - Stand 1991) fuhren wir die 50 km bis Montego Bay zurück. Beim Bus wurde der Hinterraum noch mit Kisten ausgeschmückt - also eine richtig gemütliche Sitzgelegenheit! Bis zu 12 Personen saßen dann in so einem Bus. Eng - eng - eng!!!
 


Bill - der Glas-Botton-Boat-Bauer